Als Kind habe ich gelernt zu schweigen. Nicht weil ich nichts zu sagen hatte. Sondern weil ich gelernt hatte, dass weniger sicherer ist.
Je weniger sie von dir wissen, umso weniger können sie dich verletzen. Das war die stille Regel. Niemand hat sie ausgesprochen. Aber ich habe sie verinnerlicht, so tief, dass ich irgendwann selbst nicht mehr wusste wo das Schweigen aufhörte und ich anfing.
Und dann hiess es: Eine Frau schweigt sowieso.
Ich habe das lange geglaubt. Oder zumindest so getan als ob. Doch gleichzeitig war da dieses andere: Ich bin hochsensibel. Ich gehe in die laute Welt hinaus und fühle alles. Wirklich alles. Nicht nur das was gesagt wird. Sondern das was nicht gesagt wird. Das was hinter den Worten steckt. Das was zwischen den Menschen schwebt, unsichtbar, aber so laut.
Schweigen war für mich nie Stille. Es war laut. Sehr laut. Auch wenn niemand sprach, konnte ich es fühlen. Und das war erschöpfend.
Schweigen war für mich nie Stille. Es war laut. Sehr laut.
Ich habe lange geschwiegen, weil ich wusste: Wenn ich rede, machen mich gewisse Menschen fertig. Sie warteten darauf. Jedes Wort das ich sprach, wurde gegen mich verwendet. Also schwieg ich lieber. Es war einfacher. Es war sicherer. Aber es hat mich klein gemacht.
Irgendwann habe ich angefangen zu schreiben. Nicht laut. Nicht für alle. Zuerst nur für mich. Und im Schreiben habe ich gemerkt: Das ist meine Stimme. Die hat niemand weggenommen. Die war die ganze Zeit da. Still. Wartend.
Heute schreibe ich. Nicht weil ich keine Angst mehr habe. Sondern weil das Schweigen mich mehr gekostet hat als das Reden je könnte.
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